 Das Phantom terrorisiert die Oper. Foto: Glaubitz |
WEIDEN. 'Wer Dein Gesicht je sah, der fürchtet Dich'... Eindringliche Orgelakkorde zur Ouvertüre 'Das Phan- tom der Oper', dem be- kanntesten Stück dieses Musicals. Das Bühnenbild verwandelte sich nur mit Videoprojektion und weni- gen Requisiten zum Pariser Opernhaus. Die Neuinsze- nierung des bekannten Webber-Musicals fesselte das Publikum in der Max-Reger-Halle.
Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Glaubitz
Viele hatten sicher diese bekannte Fassung erwartet. Doch nachdem Andrew Lloyd Webber darauf das strikte Copyright hat, durfte man gespannt sein auf diese völlig neue Interpretation (Buch & Lyrics S. Raschen, U. Gerhartz, Musik: u.a. BBC-Komponist Peter Moss). Laut Veranstalter soll sich diese inhaltlich geschlossener an der Bestsellervorlage von Gaston Leroux von 1911 orientieren. Die Handlung des „Phantoms der Oper“ wurde ja schon in mehreren Büchern, Filmen und Musicals verarbeitet. So waren dem Publikum die Grundelemente der Story bekannt. Die Geschichte um die sehnsuchtsvolle Liebe eines einsamen Mannes spielt in der Szenerie der Pariser Oper. In deren Katakomben haust Erik, das Phantom der Oper, das seine unheimliche Gestalt vor der Öffentlichkeit versteckt. Erik (Axel Olzinger) ist ein sowohl musisches als auch technisches Genie, doch von Geburt an schwer entstellt. Er verliebt sich in Christine Daaé (Deborah Sasson), ein einfaches Chormädchen, und fördert sie zur Solistin und damit zu einem gefeierten Opernstar. Diese unerfüllte Liebe jedoch treibt das Phantom zu verzweifelten und grausamen Taten.
Mysteriöse Entführung in die Unterwelt
Merkwürdige Dinge geschehen: Die neuen Operndirektoren, die von der Existenz des Phantoms nichts wissen wollen, bekommen mysteriöse Briefe. In denen fordert das Phantom, man solle ihm 'seine' Loge Nr. 5 reservieren. Und Christine, plötzlich mit einer außerordentlichen Stimme gesegnet, solle anstatt der Operndiva Carlotta die Hauptrolle übernehmen, die plötzlich bei hohen Tönen nur noch ein Rülpsen hervorbringt. Christine aber liebt Raoul, Graf de Chagny (Jochen Sautter). Als sie dem Phantom in die Katakomben folgt, schwankt sie zwischen Ekel vor der hässlichen Fratze, die nur von einer Maske verborgen wird, und Mitleid mit der ausgestoßenen Kreatur. Sie glaubt jedoch, in dem Phantom den „Engel der Musik“ gefunden zu haben, den ihr verstorbener Vater ihr kurz vor seinem Tod versprochen hatte. Als Christine gesteht dass sie Raoul liebt, nimmt das Phantom Rache: Es lässt den riesigen Kronleuchter in der Oper herabstürzen. Darauf beschließen die Operndirektoren, das Phantom endgültig aus dem Weg zu schaffen. Erik entführt seine geliebte Christine. Raoul und 'der Perser' finden das Versteck des Phantoms in der Unterwelt der Pariser Oper, werden jedoch gefangen und in die Folterkammer gesperrt. Erik stellt Christine vor eine grausame Alternative: Entweder sie bleibt für immer bei ihm, oder er zündet die Pulverfässer unter der Oper und sprengt alles in die Luft. Christine willigt zum Schein ein und kann damit alle befreien.
Besetzung mit der Professionalität von Weltstars
Die Musik zu diesem Musical spielte sehr eindrucksvoll das Breslauer Rundfunkorchester unter Dirigent und Arrangeur Peter Moss. Der Zweimetermann, der aus dem Orchestergraben heraus ragte, ist auch sonst ein 'Großer' in der Musikwelt. Er war jahrelang musikalischer Leiter und Pianist bei 'The Rocky Horror Picture Show' und beim BBC London. Einen seiner witzigen Einfälle durfte man live erleben: Nachdem Moss während eines 'Streits' auf der Bühne immer wieder ansetzte, ein Musikstück zu dirigieren, mischte er sich aus seinem Orchestergraben plötzlich ein mit 'können wir jetzt endlich anfangen!?' Damit galten die Lacher im Publikum eindeutig ihm. Die Hauptrolle der Christine war mit Deborah Sasson wunderbar besetzt. Sie überzeugte mit Natürlichkeit, einer klaren, hellen Stimme und der Professionalität eines Weltstars.
Ungewöhnlich war, dass die Hauptakteure sehr viel Mitspracherecht bei den Arrangements hatten, was diese Vorstellung sicher so begeisternd auflockerte. Besonders die Ideen von Deborah Sasson, in ein Musical, welches in der Oper spielt, auch echte Klassikstücke zu integrieren, gefiel den Zuschauern. So hörte man Stücke aus 'Faust', 'La Traviata' oder zum Abschluss die Arie 'Habanera' aus 'Carmen'. Dazu freche Ballettmädchen, eine komische Carlotta und ein umwerfend gespielter Operndirektor Moncharmin (Nils Schwarzenberg) mit eindeutig tuntigem Touch. Manches schien wie eine ironische Persiflage, doch das Publikum ließ sich darauf ein. Beim abschließenden 'Maskenball' wurde begeistert mitgeklatscht.