WURZ. Versunken und gefühlvoll saß sie am Flügel, ganz dem Ausdruck und den Stimmungen der Musik hingegeben. Mit ernstem, beinahe feierlichem Gesichtsausdruck schuf die vielfach ausgezeichnete Künstlerin und Chopin-Preisträgerin Catherine Gordeladze aus den Werken von Frédéric Chopin, Domenico Scarlatti, Nikolai Kapustin und W. A. Mozart einen bunt schillernden Klangteppich.
Von unserer Mitarbeiterin Gabriele Glaubitz
Der Innenraum des historischen Wurzer Pfarrhofs, mit seinen Gewölben, Granitsäulen, dem braunen Terrakottafußboden und den großen Flügeltüren zum Garten konnte mit Fantasie durchaus an die Kartause in Valldemosa/Mallorca erinnern, in der Frédéric Chopin seine 24 Préludes Op.28 fertig stellte. Drinnen stand ein schwarzer Steinway-Flügel, einer Leihgabe der Firma Kaufmann aus Fürstenzell bei Passau. Eng waren die Sitzreihen darum gruppiert, ein feierlicher und intimer Rahmen für einen besonderen Kunstgenuss. Erich Schuhmann begrüßte stellvertretend für Frau Dr. Kielhorn das Publikum und stellte in kurzen Sätzen die Künstlerin und ihr Programm vor.
Still betrat die Catherine Gordeladze den voll besetzten Raum, setzte sich an den Flügel und begann zu spielen. Voll emotionaler Kraft und zugleich mit höchster technischer Präzision und Leichtigkeit strömten ihre Interpretationen hervor. Ohne Noten, versteht sich. Die Musik schien aus ihrem Inneren zu kommen. Die Klaviersonaten von Domenico Scarlatti spielte Gordeladze mit nahezu trockener, harter Klarheit. Sie verlieh den kurzen Stücken mit weichem und flexiblen Anschlag die entscheidende Würze. Mit der Sonate in c-Moll von W. A. Mozart begeisterte sie das Publikum und entführte in Fantasieträume.
Fotos: Gabriele Glaubitz
Temperamentvoll interpretierte Gordeladze drei Mazurken von Chopin, mit denen dieser als Pole seiner Heimat ein Denkmal gesetzt hatte. Das Scherzo No. 1 Opus 20 von Chopin, ein sehr anspruchsvolles Stück, das in Teilen atemlos wirkt, bewältigte sie mit unvergleichlicher Technik.
Catherine Gordeladze erwies sich als eine Meisterin des Tempo rubato, wofür besonders Frédéric Chopin berühmt war. Sie ließ bei schnellen Läufen Töne wie Perlenschnüre aus ihren Fingern prasseln. Ihr Spiel war nahezu durchgängig von einer traumwandlerischen Sicherheit und Eleganz bestimmt.
Die Etüden im Jazz-Stil von Nikolai Kapustin (Jahrgang 1937) rissen die Zuhörer mit. Ragtime statt Klassik, ein erfrischender Rhythmuswechsel, der bewies, dass 'E-Musik' oft gar nicht so ernst sein muss. Catherine Gordeladze erwies sich als geniale Rhythmikerin, die auch die vertracktesten Stellen mühelos bewältigte. Mit oftmals elegischem Gesichtsausdruck und geschlossenen Augen strömten Triller und Kaskaden aus ihren Händen, temporeich, mitreißend, rhythmisch und höchst komplex. Begeistert klatschten die Zuhörer Beifall und entließen die Künstlerin erst nach mehreren Zugaben.
Ihren ersten Klavierunterricht erhielt Catherine Gordeladze mit sechs Jahren an der Zentralen Musikschule in Tiflis. Mit zehn Jahren gab sie bereits ihren ersten Klavierabend. Nur ein Jahr später spielte sie mit der Georgischen Philharmonie das 3. Klavierkonzert von Beethoven. Die musikalische Ausbildung bis zum Abschluss „Konzertexamen“ absolvierte Catherine Gordeladze mit Auszeichnungen an den Musikhochschulen in Tiflis, Frankfurt am Main und Weimar. Parallel zu ihrem Studium nahm sie regelmäßig Unterricht bei Maestro Alexis Weissenberg. Catherine Gordeladze wurde in Deutschland von der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert. Neben ihrer solistischen Tätigkeit ist Catherine Gordeladze Dozentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.
Im Anschluss an dieses großartige Konzert kredenzten die Veranstalter ein leckeres Büffet und ließen damit diesen unvergesslichen Abend stilvoll ausklingen.
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