Infrarot-Aufnahme von Wärmeverlusten an einem Dachfenster (Bild: Sönke Krüll, Wikimedia Commons cc-by-sa)
Wie gut kennen Sie eigentlich Ihr Haus? – Ein altes Sprichwort sagt, dass vier Augen mehr sehen als zwei. Wenn Sie also auf die Suche nach Energiespar-Möglichkeiten an und in Ihrem Haus gehen, sollten Sie einen unabhängigen Berater hinzuziehen. Er wird einen umfangreichen Bericht erstellen und ein ausführliches abschließendes Gespräch mit Ihnen führen.
Was in den Bericht muss, ist in Checklisten festgelegt, von denen Sie hier die wichtigsten Punkte erfahren. Ganz wichtig ist, dass jeder Berater gehalten ist, weitgehend auf bautechnische Fachausdrücke zu verzichten. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen, etwas nicht zu verstehen. Und wenn trotzdem Fragen bleiben, klären Sie diese im Abschlussgespräch.
Was geschieht, wenn der Berater bei Ihnen zu Besuch kommt?
Als Erstes wird er sich das Gebäude ansehen und die grundlegenden Daten aufnehmen: Lage, Baujahr, Nutzung, Bauweise, Anzahl Geschosse, Wohnungen und Anzahl der Bewohner, und einige weitere Informationen. Dabei wird das Gebäude auch rundherum von außen fotografiert. Insbesondere achtet der Energieberater auf den baulichen und wärmetechnischen Zustand von Fenstern, Außentüren, Außenwänden, Kellerdecke, Fußböden sowie der obersten Geschossdecke und des Daches.
Als Nächstes geht es auf die Suche nach typischen Wärmebrücken. Diese können zahlreich und versteckt sein: Heizkörpernischen, Dachbodenluken, Balkonplatten, Betonsockel, Rollladenkästen und Fensterbänke sind nur einige Beispiele. Auch für die Stellen, an denen Lüftungswärme unkontrolliert entweicht, hat der Experte einen geschulten Blick. Hier sind undichte Fenster und Türen die Hauptübeltäter, aber auch Verbrennungsluftversorgungen für Etagenheizungen, Kachel- und Kaminöfen oder ausgebaute Dachgeschosse tragen dazu bei, dass Wärme ungenutzt verloren geht.
Zu Ihrer Warmwasser- und Heizungsanlage sollten Sie ein paar Unterlagen griffbereit haben. Bei der Warmwasser-Anlage ist insbesondere das Alter entscheidend, und zur Heizung benötigen Sie das letzte Schornsteinfeger-Protokoll. Der Energieberater überprüft beide Anlagen und protokolliert sämtliche gefundenen Schwachstellen. Hilfreich ist auch, wenn Sie Auskunft über Ihre Heizkosten aus mehreren Heizperioden geben können, zum Beispiel anhand von Brennstoff-Rechnungen.
Am Ende haben Sie Ihr Haus in Zahlen: Wärmeverluste einzelner Gebäudeteile, Lüftungswärmeverluste, Energiegewinne durch Sonneneinstrahlung, Brauchwasserbedarf, Heizungsverluste, und vieles mehr – aufgeschlüsselt nach Prozent-Anteilen und in Kilowattstunden pro Jahr.
Welche Verbesserungsvorschläge kann Ihnen der Berater machen?
Ideal ist in den allermeisten Fällen eine energetische Verbesserung der Gebäudehülle: Außenwände, Balkonplatten, Vordächer, Fenster, Fensterbänke, Rollladenkästen, Außentüren, Dachschrägen, Dachfenster, Gauben, oberste Geschossdecke, Dachbodenluken, Kellerdecke, Kelleraußenwände. Das kann umfangreiche Baumaßnahmen erfordern und ist daher vielleicht nicht in vollem Umfang mit den vorhandenen finanziellen Mitteln zu bewerkstelligen. Der Berater wird daher jede der einzelnen Maßnahmen im Hinblick auf ihre Wirksamkeit zur Energieeinsparung bewerten und Ihnen möglicherweise auch preisgünstige Alternativen vorschlagen können wie zum Beispiel die Reduzierung von Wärmebrücken, etwa in Heizkörpernischen.
Energieberater sind dabei zur Neutralität verpflichtet, das heißt, jede Beratung muss unabhängig von bestimmten Anbietern und Produkten erfolgen. Ziel ist es, dass Sie anhand möglichst konkreter Berechnungen die Entscheidung über Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen selber treffen können. Die Vorschlagsliste enthält daher zu jeder Maßnahme die benötigten Baukomponenten, die Art der erforderlichen Arbeiten, sowie die dafür ungefähr anfallenden Kosten.
Was für die Außenarbeiten gilt, gilt auch für die Heizung. Sie erhalten sowohl Verbesserungsvorschläge für ihre bestehende Anlage als auch eine Bewertung, wie effektiv eine neue Heizungsanlage für Sie wäre. Dabei werden Sie auch über die für Sie in Frage kommenden Fördermittel von Bund, Land und Gemeinde informiert.
Empfehlungen zur Stromeinsparung
Bei einer Gebäude-Analyse können Sie sich auch Empfehlungen zur Stromeinsparung geben lassen. Für diese Zusatzleistung können Sie eine Extra-Förderung von bis zu 50 Euro beantragen.
Als Grundlage benötigen Sie die Verbrauchsabrechnung mindestens des letzten Jahres. Diese vergleicht Ihr Berater mit dem statistischen Durchschnittsverbrauch ähnlicher Haushalte. Anschließend nimmt er die größten Stromverbraucher unter die Lupe, zum Beispiel Heizungspumpen, Elektroboiler, Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner. Auch der Verbrauch von Standby-Schaltungen wird geprüft.
Nicht nur die Geräte selber, sondern auch Ihr persönlicher Umgang damit wirkt sich auf den Stromverbrauch aus. Sie werden mit Ihrem Berater also klären müssen, welche Geräte tatsächlich technisch so ineffizient oder veraltet sind, dass man sie ersetzen sollte, und wo man vielleicht schon durch effizientere Nutzung viel Energie einsparen kann.
Auch zum Einsatz von Energiesparlampen erhalten Sie nützliche Tipps.
Zu guter Letzt muss noch geprüft werden, ob es technisch möglich und sinnvoll ist, Wasch- und Spülmaschine an die zentrale Warmwasser-Versorgung anzuschließen.
Beinahe jedes Gespräch, bei dem es um den Stromverbrauch geht, bringt zahlreiche Einsparmöglichkeiten zu Tage. Sie sollten sich die zusätzliche Zeit dafür also nehmen.
Ein Blower-Door-Messgerät im Einsatz (Bild: Lutz Weidner, Wikimedia Commons cc-by-sa)
Welche weiteren Untersuchungen sind sinnvoll?
Aufgrund seiner Erfahrung kann der Energieberater die Schwachstellen eines Gebäudes gut erkennen. Wenn Sie sich aber einen optischen Eindruck der tatsächlichen Wärmeverluste verschaffen wollen, sollten Sie von jeder Gebäudeseite eine thermografische Aufnahme anfertigen lassen. Für die vier Wärmebilder können Sie einen Zuschuss von bis zu 100 Euro erhalten, sodass diese zusätzliche Investition leichter fällt.
Die Thermografie lässt sich gut mit dem so genannten Blower-Door-Test kombinieren. Hierbei wird die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen. Die eigentlich als Differenzdruck-Verfahren bezeichnete Methode dient dazu, Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren und die Luftwechselrate zu bestimmen.
Die EnEV (Energieeinsparverordnung) honoriert die Durchführung der Blower-Door-Messung. Werden die Grenzwerte eingehalten, darf ein reduzierter Luftwechsel angesetzt werden und bei Gebäuden mit Lüftungsanlage gehört die Blower-Door-Messung zum Standard, da nur mit Dichtheitsnachweis diese Technik im Energiebedarfsnachweis berücksichtigt werden darf. Bei Niedrigenergiehäusern und Passivhäusern ist der Nachweis Pflicht.
Bei der Messung geht es um zwei Ziele. Erstens darf die Luftmenge, die der Ventilator des Prüfgeräts fördert und die durch unvermeidliche Fugen usw. entweicht, höchstens 3,0 mal in der Stunde die Luft im Gebäude austauschen (Vorgabe durch die deutsche Energieeinsparverordnung, bei Gebäuden mit Lüftungsanlagen höchstens 1,5 mal) und zweitens sollte derjenige, der die Messung durchführt, auch die Fehlstellen lokalisieren und dokumentieren, damit diese beseitigt werden können. Es nützt nichts, einen Blower-Door-Test durchzuführen, nur um festzustellen, dass die Norm nicht eingehalten wird und keine genaue Ortung der Leckstellen vorzunehmen. Die letzte Forderung ist nicht direkt Gesetz, gehört jedoch zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik, auf deren Einhaltung zum Beispiel ein Bauherr auch ohne besondere Vereinbarung Anspruch hat.
Damit die beiden Tests sinnvolle Ergebnisse liefern können, müssen Sie sie während der Heizperiode durchführen lassen, da sonst die Thermografie-Kamera nichts aufzeichnen kann.
Wie geht es weiter?
Sobald Sie den ausführlichen Bericht vorliegen haben, sollten Sie ihn in Ruhe studieren, bevor Sie einen Termin für ein abschließendes Gespräch vereinbaren. Notieren Sie sich noch zu klärende Fragen. Das Abschlussgespräch ist in jedem Fall vorgeschriebener fester Bestandteil einer Vor-Ort-Energieberatung.
Sicher werden Sie sich nicht sofort zur Umsetzung aller wünschenswerten Maßnahmen entscheiden; vor allem müssen Sie sich mithilfe von Experten um mögliche Fördergelder und höchstwahrscheinlich eine Finanzierung kümmern. Doch ist die professionelle Energieberatung hierzu eine unabdingbare Voraussetzung.
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